Persönlichkeitsentwicklung mit dem Personality Profiler: "Ich konnte den Bericht nicht zu Ende lesen"

“Ich konnte das gar nicht zu Ende lesen.”
Das war die erste Reaktion eines Klienten, nachdem er seinen Testbericht aufgemacht hatte. Kein Achselzucken, kein “naja, das stimmt schon so”. Er hat sich selbst so genau auf den 34 Seiten des Profilerberichts wiedererkannt, dass er das Ding weglegen musste. Zu ehrlich war der Spiegel, in den er blickte. Genau da entsteht für mich eine interessante Frage: Was macht ein Persönlichkeitstest mit jemandem, der darin Dinge liest, die er so wahrscheinlich nie ins Coaching eingebracht hätte?
Kurz gesagt: Ein Persönlichkeitstest kann viel über dich zeigen, verändert aber nichts von allein. In diesem Artikel liest du, warum ich den LINC Personality Profiler trotz jahrelanger Skepsis gegenüber Persönlichkeitstests einsetze, was er einer Führungskraft real gezeigt hat, und warum der beste Bericht ohne echte Coaching-Beziehung wirkungslos bleibt.
Farben und Tiere sind Schubladen, aber keine wissenschaftliche Basis
Ich war lange kein Fan solcher Tests. Meine erste Berührung mit dem Thema war das DISG-Modell, später hatte ich beruflich mit MBTI und Insights Discovery zu tun. Ich habe mir das alles angeschaut und fand es - ich weiß auch nicht, wie ich's anders sagen soll - ziemlich stereotyp. Ab in die Schublade, fertig. Passt so gar nicht zu mir und ich hatte schlicht keine Idee, wie mir das für echte persönliche Entwicklung nützen sollte.
Heute weiß ich, dass dieses Gefühl ziemlich berechtigt war. Auch unter Fachleuten wurde in der Vergangenheit viel darüber gestritten. Denn die genannten Verfahren sind typologisch, das heißt einsortierend, zu einem vordefinierten Typ zuordenbar. Nimmt man das als grobe Richtung, kann es hilfreich sein. Aber sagt es was über die Persönlichkeit aus? Nicht wirklich. Zumindest nicht in einem psychologisch messbaren Sinn.
Dabei gibt es seit über 20 Jahren einen international anerkannten, durch mehr als 3.000 Studien bestätigten Goldstandard in der Psychologie: das Big-Five-Modell. Die bekannteste Dimension davon ist wahrscheinlich Extraversion - Introversion. Eine Dimension ist eben keine Schublade, sondern eine Achse, auf der man sich zwischen ganz links Extraversion und ganz rechts Introversion einordnet. Einordnung ist dabei kein konkreter Wert, sondern ein Bereich innerhalb dieser Dimension. Unkonkret könnte man sagen. Die Komplexität der Persönlichkeit darstellend trifft es besser. Konkreter machen es die 6 Facetten, die jede der Big-Five differenziert. 2021 ist mir dann zufällig der LINC Personality Profiler über den Weg gelaufen.
Wie aus Skepsis eine Ausbildung wurde

Der LINC Personality Profiler basiert auf genau diesem Big-Five-Modell, das an sich schon einen Unterschied in der Analyse macht. Er tut aber noch etwas, das ich richtig clever finde: Er nimmt Motive und Kompetenzen dazu. Damit deckt er alle drei zentralen Bausteine ab, die eine Persönlichkeit ausmachen: Charakter (wie verhalte ich mich), Antrieb (was will ich, und warum) und Kompetenzen (was kann ich besonders gut).
Ich habe den Test damals selbst ausgefüllt, meinen Bericht aufgemacht - und ziemlich gestaunt. Das war wirklich unglaublich treffend. Weil ich mich selbst schon ziemlich gut kenne, hat mich genau das überzeugt. Kurz danach habe ich mich zur Ausbildung angemeldet und mich im Januar 2022 zum LINC Personality Profiler Coach zertifizieren lassen.
Inzwischen erlebe ich diese Reaktion des „ich fühl mich unglaublich getroffen“ bei ganz vielen Coachees wieder. Egal, ob schon länger mit Entwicklung beschäftigt oder ob zum ersten Mal im Führungskräftecoaching öffnet das einen direkten Weg zu dir selbst.
Was der Bericht bei einer Führungskraft ausgelöst hat
Eine Geschichte zeigt besonders eindrucksvoll, worum es bei Persönlichkeitsentwicklung mit dem Personality Profiler geht. Eine Führungskraft kam zu mir mit einer sehr typischen Anfrage: Führungscoaching, weil die Zusammenarbeit mit dem Team kriselte, weil Feedback kam, dass die Kommunikation nicht okay ist. Die klassische Bitte: an Kommunikationstechniken arbeiten, Methoden lernen, Handwerkszeug ausbauen.
Das ist alles richtig und wichtig. Aber wenn dahinter etwas klemmt - wenn zum Beispiel die Haltung nicht stimmt, weil ich als Führungskraft gar nicht wirklich interessiert bin an dem Menschen vor mir - dann schwingt das mit. Egal, wie gut die Worte gewählt sind. Technik wirkt nicht ohne Beziehung.
Diese Führungskraft wusste das theoretisch auch schon, denn ich hinterfrage das häufig schon im Erstgespräch. Aber von selbst auf den Tisch gelegt hätte sie diese Themen nicht. Was übrigens gerade bei sehr reflektierten Menschen häufig so ist: Wir kennen unsere wunden Punkte, benennen sie aber nicht. Wir glauben, sie seien nicht relevant. Manchmal verschweigen wir sie, weil sie schambehaftet sind. Manchmal, weil wir überzeugt sind, dass sie nicht zur Lösung beitragen. Wir wollen schließlich an den Dingen arbeiten, nicht an uns selbst.
Der Testbericht hat ganz klare persönliche Ausprägungen gezeigt, die mich dazu gebracht haben, gezielter in die Biografie zu fragen. Ein weiterer Vorteil dieses Testings: weder Coachee noch Coach bringen das Thema in die Arbeit ein, es liegt einfach schon auf dem Tisch. Der Bericht ist wie eine neutrale, dritte Instanz. Eine Analyse, ein Selbstbewertungsbogen, der sagt: Guck mal, ich habe da ein Muster entdeckt. Das ist eine neutrale Auffälligkeit und damit etwas komplett anderes, als wenn ich das Thema entdecke und benenne. Dadurch häufig weniger beschämend – und vor allem sehr schnell. Mit dem Bericht liegen entscheidende Persönlichkeitszüge schwarz auf weiß vor, die sonst erst über mehrere Sitzungen freigelegt werden müssten.
Der LINC Personality Profiler im Detail
Der LINC Personality Profiler (LPP) ist ein wissenschaftlich fundierter Online-Fragebogen, der auf dem Big-Five-Modell basiert - dem seit über 20 Jahren international anerkannten Standardmodell der Persönlichkeitspsychologie, empirisch bestätigt durch mehr als 3.000 Studien. Anders als typologische Verfahren (Farben, Tiere, Buchstaben-Typen) beschreibt der LPP Verhaltenspräferenzen differenziert innerhalb von Dimensionen und darunterliegenden Facetten. Er reduziert nicht Komplexität, sondern stellt sie übersichtlich und bewertungsfrei dar.
Der Bericht deckt drei Ebenen ab: Charakter (stabile Verhaltenstendenzen, wie du dich meistens verhältst), Motive (warum du dich wozu wie verhältst, deine tieferen Antriebe) und Kompetenzen (was du daraus abgeleitet besonders gut kannst - und was du dir gezielt aneignen kannst, denn Kompetenzen sind direkt an Lernen und Erfahrung gekoppelt). Zusätzlich zeigt der Bericht nicht nur, wie du dich selbst siehst, sondern auch, wie du auf andere wahrscheinlich wirkst.
Der LPP ist ICF-zertifiziert, DSGVO-konform und in Deutschland entwickelt. Er stellt Persönlichkeit ganzheitlich und verständlich dar und formuliert davon abgeleitete, konkrete Entwicklungsimpulse, insbesondere für die unternehmensrelevanten Handlungsfelder “Kommunikation”, “Arbeitsstil” und “Führung”.

Der beste Test kann keine Beziehung ersetzen
Theoretisch könnte sich das jeder selbst holen: sich anmelden, den Fragebogen ausfüllen, den Bericht zu Hause durchlesen. Man blättert durch, wundert sich, ist vielleicht verblüfft, entdeckt konkrete Impulse - Dinge, die man mal anders probieren könnte. Manche Menschen würden sich daraufhin tatsächlich etwas vornehmen, umsetzen und merken: Das hilft mir tatsächlich.
Aber in die Tiefe gehen, ein Muster mit sich selbst wirklich lösen? Das ist auf diesem Weg fast unmöglich. Weil es dafür einen gehaltenen Raum braucht. Eine vertrauensvolle Beziehung, in der jemand dahin schauen kann, wo er sonst nicht gerne hinschaut. Einen safe brave space, wo du sicher und mutig zugleich sein kannst.
Das braucht von mir als Coach eine wache Präsenz und Resonanz, ein mitschwingen, statt nur Technik anwenden. Konkret heißt das: den Raum halten und den Boden bereiten, um gemeinsam etwas weiter zu entwickeln. Dazu gehören auch Schweigen und Zuhören, würdigen, was war, und gemeinsam schauen, wohin es gehen soll und was dabei hilft. Natürlich braucht es auch gute, coachende Fragen, die an dem anknüpfen, was im Bericht steht – aber das ist die Technik, die nur wirkt, wenn Raum und Beziehung wirken.
Was am Ende bleibt
Nicht immer ist sofort messbar, was sich in der Führung verändert hat. Zumindest nicht für Auftraggeber, die das nachvollziehbar als Erfolgskontrolle wollen. Für den Coachee hat sich gleichzeitig meist sehr viel bewegt. Innerlich gelöst. In einer gefühlten Stabilität. In einer neuen Haltung, mit der ich anderen begegne. Dadurch findet das auch seinen Weg in den Führungsalltag, was dem ganzen Team und dem Unternehmen zugutekommt: mehr Wohlbefinden, mehr Klarheit bei Entscheidungen, bessere Kommunikation in der Zusammenarbeit. Und das oft, ohne dass wir explizit eine neue Kommunikationstechnik trainiert hätten.
Das ist auch meine Kernbotschaft, wenn's um Persönlichkeitsentwicklung geht, mit oder ohne Personality Profiler: weniger Tools, mehr Haltung. Der Bericht ist ein Türöffner. Eine Legitimation, ehrlich hinzuschauen. Die eigentliche Entwicklung jedoch passiert in einem Raum zwischen zwei Menschen, nicht auf dem Papier.
Wann hast du das letzte Mal ehrlich hingeschaut, was dich eigentlich antreibt? Wann hat dir zuletzt jemand dabei geholfen, tiefer zu schauen, um etwas zu lösen, statt an eine neuen Technik als Lösung zu glauben?
Wenn dich das neugierig gemacht hat, ob der Personality Profiler auch für dich ein guter Spiegel wäre: Buche dir ein unverbindliches Kennenlerngespräch, oder schreib mir hier, wenn du vorher noch Fragen hast.
Über Leander Vierheilig
Ich begleite Führungskräfte und ihre Teams dabei, auch unter Druck handlungsfähig und menschlich zu bleiben. Bevor ich Coach wurde, habe ich 15 Jahre in der Automobilindustrie gearbeitet, bis mich 2014 eine eigene Krise ausgebremst hat. Seit 2018 arbeite ich als Systemischer Coach & Trainer (DGSF), mit Weiterbildungen in Humanistischer Psychologie und als LINC Personality Profiler Coach zertifiziert.
Auf diesem Blog schreibe ich über gesunde Selbstführung und resiliente Teams, immer aus der Praxis heraus: echte Coaching-Situationen, eigene Erfahrungen, und die aktuelle Frage, wie Führung auch dann noch gelingt, wenn gerade wenig Boden unter den Füßen ist.